Einsetzung von Raphael Schmauder als Landesjugendreferent

Am 30. Januar 2022 wurde unser Landesjugendreferent, Raphael Schmauder, im Rahmen des Neujahrsgottesdienstes eingesetzt. Die Predigt hielt Landesbischof Dr. h.c. Frank O. July.

  • Foto: © Die Apis
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Eine Generation geht los! Ausschnitt aus dem Kurzimpuls von Raphael Schmauder

Ich träume von einer Generation, die losgeht!
Eine Generation, die nicht zurückschaut und daran zerbricht, was alles heute nicht mehr ist.
Ich träume von einer Generation, die nach vorn schaut und vor sich ein Hoffnungsland sieht.
Eine Generation, die sich zum Evangelium offen bekennt und sich nicht dafür schämt,

an Jesus zu glauben, weil sie weiß, dass es die Kraft Gottes ist,

die jedem, der daran glaubt, Rettung bringt (Röm 1,16).
Ich träume von einer Generation, die wie Jesaja auf die Frage Gottes: „Wen soll ich senden?“, antwortet: „Ich bin bereit! Sende mich!“(Jes 6,8).
Eine Generation geht los! – Bist Du dabei?

Raphael Schmauder
Predigt von Landesbischof July beim Neujahrsgottesdienst

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinschaft der Apis,

zuerst grüße ich Sie herzlich und freue mich, dass auch heute ein kurzer Gottesdienst, eine persönliche Begegnung stattfinden können, auch und gerade in diesem – auch für mich persönlich wichtigen – Jahr. Meine Gedanken gehen zurück in all die vergangenen Jahre, in denen ich am Neujahrstag mit Ihnen zusammen die Bibel auslegen und bedenken konnte und anschließend Begegnungen und Gespräche möglich waren. So wünsche ich Ihnen und uns allen Gottes Geleit und Segen für das Jahr 2022.

Sicher haben wir alle viel zur diesjährigen Jahreslosung gehört. Aber: Das Bedenken der Jahreslosung ist ja keine einmalige Angelegenheit. Martin Luther hat uns ja ermutigt, die Worte der Schrift immer neu zu bedenken, hin- und herwenden sollen wir sie, ja, „widerkäuen“. So hören wir das Wort fürs Jahr 2022 gemeinsam aufs Neue:

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Johannes 6,37 (Jahreslosung 2022)

Dieses Wort könnte man wie eine Kette anschauen, drei Teile hat ja dieses Losungswort. Zuerst hören wir:

1. „Jesus Christus spricht…“

Viele von uns machen folgende Erfahrung: Es gibt Menschen, denen höre ich besonders zu, wenn sie etwas sagen, nehmen ihre Worte zu Herzen. Das liegt daran, dass sie auf irgendeine Weise unser Vertrauen gewonnen haben. Freundinnen, Familie, gute Lehrerinnen und Mentoren sowie Menschen, denen wir in bestimmten Fragen eine gute Expertise und Erfahrung in ihrem Gebiet zutrauen. Ihre Worte sind wir bereit aufzunehmen, darüber nachzudenken. Wie ist das mit Jesus Christus?

Jesus Christus spricht!
Viele von uns haben mit ihm und seinem Wort ganz eigene, besondere Erfahrungen gemacht. Sein Wort ist eines, das – indem es gesprochen wird – Vertrauen herstellt. Auch und gerade dort, wo wir in menschlichen Erfahrungen und Beziehungen bitter enttäuscht worden sind. Seine Zusage trägt uns auch dann, wenn wir Absagen erhalten oder erhalten haben.

Jesus Christus spricht!
Da soll mit dieser kurzen Einleitung schon angedeutet werden: Jetzt stellt euer Sensorium ganz fein ein. Macht eure Herzens- und Geistesempfänger empfangsbereit. Jesus spricht: Er genießt unser Vertrauen
oder – bei Menschen, die eher distanziert zu ihm sind – zumindest die Vermutung, dass Worte, die er spricht, etwas mit unsrem Leben, unsrem Lebensentwurf, unsren Fragen zu tun haben. Er spricht und wir wollen hören.

Sein Wort ist eines, das – indem es gesprochen wird – Vertrauen herstellt. Auch und gerade dort, wo wir in menschlichen Erfahrungen und Beziehungen bitter enttäuscht worden sind. Seine Zusage trägt uns auch dann, wenn wir Absagen erhalten oder erhalten haben.

Frank O. July
2. „Wer zu mir kommt…“

Spannend: Eigentlich ist es ja Christus, der zu uns Menschen kommt. Er wartet nicht etwa nur auf uns, sondern kommt selbst zu uns, ganz nah. Viele kennen den Anfang des Johannesevangeliums: Da wird gesagt, feierlich, fast wie im Goldglanz blinkend – da ist viel von der Heiligkeit Gotte zu spüren: Dieses heilige Wort „ward Fleisch und wohnte unter uns“, macht sich auf den Weg zu uns, wird einer von uns,
teilt unsre Lebenswirklichkeit, unsre Lebenszweifel und -fragen. Gott kommt in unsere Welt und uns damit weitmöglichst entgegen.

„Wer zu mir kommt…“
In der Jahreslosung ist nun aber auch umgekehrt von denen die Rede, die sich wiederum auf den Weg zu ihm, zu Christus, machen, um den Weg zu ihm zu finden.

„Wer zu mir kommt…“
Christus geht davon aus, dass es auch Menschen gibt, die sich auf den Weg zu ihm machen. Das sind Menschen, die etwas von Gnade, von Sündenvergebung, von Heilwerden gehört haben und deswegen nun zu ihm, zu Jesus, kommen wollen. Oder auch die, die es reichlich gibt in unsrer Gesellschaft, die zweifelnd sind, die nach Orientierung suchen, einen festen Boden, festes Fundament benötigen, das sie trägt – um überhaupt den aufrechten Gang in dieser Gesellschaft wagen zu können. Und wer braucht das nicht.

Es ist immer ein Wagnis, unsrer Sehnsucht zu folgen und sie nicht im Reich der unerfüllten Wünsche zu belassen. Ich glaube, das ist eine Herausforderung, die uns unser Leben lang begleitet: Der Hoffnung zu vertrauen. Weil wir wissen: Es ist Christus, der zu uns spricht und uns diese Hoffnung schenkt.

Frank O. July

„Wer zu mir kommt…“
Dass wir selbst uns aufmachen können (oder sogar müssen?), um in unserem Leben Fülle und Gutes, z.B. Gemeinschaft und Begegnung, zu erfahren, das kennen wir aus unserem täglichen Leben. Das kennen wir alle. Wir ersehenen nicht nur, sondern wir suchen Gemeinschaft miteinander, im Gebet und im Leben. Wir machen uns auf! Dabei ist es immer ein Wagnis, unsrer Sehnsucht zu folgen und sie nicht im Reich der unerfüllten Wünsche zu belassen. Ich glaube, das ist eine Herausforderung, die uns unser Leben lang begleitet: Der Hoffnung zu vertrauen. Weil wir wissen: Es ist Christus, der zu uns spricht und uns diese Hoffnung schenkt.

Wer zu mir kommt…
Da fallen allen, die etwas Bibelerfahrung haben, Einladungen Jesu ein, die so beginnen: Kommt! Kommt alle! „Kommt alle, die mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Ein fester Adressatenkreis: Menschen, die am Boden liegen, die sonst nirgends willkommen sind – zu Jesus können sie kommen.
Kommt alle, euch wird bei Gott ein Name und eine Würde gegeben! Das war nicht selbstverständlich in der Antike, das ist es heute auch manchmal nicht – einen Namen zu haben. Gott gibt jedem und jeder einen Namen, unantastbare Würde. Kommt, die ihr einen Arzt oder vielmehr einen Heiland benötigt. Kommt, traut euch, ihr seid in der unverbrüchlicher Annahme Gottes in Jesus Christus bereits geborgen – ich sage es euch von Neuem zu.

Damit sind wir schon im dritten Teil dieser Jahreslosung:

3. „den werde ich nicht abweisen.“

Zu den schmerzlichsten persönlichen Erfahrungen vieler Menschen gehören wohl nicht mal so sehr Erlebnisse eigenen Scheiterns oder Versagens, sondern vor allem Erfahrungen des Abgewiesenwerdens.

„Pushback“-Erlebnisse – die machen wir, die machen gemobbte Kinder in der Schule oder Flüchtlinge, zum Beispiel an der Grenze zwischen Belarus oder Polen.

„Pushback“, englisch für „Zurückstoßen“, ist ja das Unwort des Jahres 2021 und steht im Sprachgebrauch für das teils brutale, auch körperlich-physische, gewaltsame Zurückstoßen von Flüchtlingen an den Grenzen, Menschen, die schwach sind und nach Lebensmöglichkeiten suchen. Das Wort ist – „passenderweise“ – die sogar noch präzisere Übersetzung dessen, was da in der Jahreslosung steht. Im griechischen Original steht das Wort „ekbalo“ und das heißt hinauswerfen, zurückstoßen.

Jesus Christus steht in seinem Leben und Sterben für eine Gegengeschichte ein. Bei Gott gibt es keine Pushbacks. Gott geht für Liebe und Annahme unendlich weit. In seinem Sohn geht er bis nach Golgatha: Er erlebt selbst Ausgrenzung, Bedrohung, Verhöhnung, Folter, Verächtlichmachung, sogar von den Mitgekreuzigten. Bis in den letzten Moment menschlicher Existenz nimmt er die Pushbacks dieses Lebens auf sich. Er grenzt nicht aus, sondern gibt sich für alle hin. Auf ihn sollen wir schauen und ihm folgen.

Frank O. July

Pushback ist schmerzhaft, erleben zu müssen – Ich denke da an die Geschichte eines jungen Menschen, der davon erzählte, mit dem ich eine eindrucksvolle Begegnung hatte. Wie viele Geschichten könnten wir, könnten Sie einander erzählen von den Pushbacks unsres Lebens. Es käme viel zusammen für jede, jeden einzelnen von uns.

Jesus Christus steht in seinem Leben und Sterben für eine Gegengeschichte ein. Bei Gott gibt es keine Pushbacks. Gott geht für Liebe und Annahme unendlich weit. In seinem Sohn geht er bis nach Golgatha: Er erlebt selbst Ausgrenzung, Bedrohung, Verhöhnung, Folter, Verächtlichmachung, sogar von den Mitgekreuzigten. Bis in den letzten Moment menschlicher Existenz nimmt er die Pushbacks dieses Lebens auf sich. Er grenzt nicht aus, sondern gibt sich für alle hin. Auf ihn sollen wir schauen und ihm folgen.

Und deswegen soll der Raum der Kirche Jesu Christi, auch ein Raum sein, in dem keiner und keine ausgestoßen wird, in dem Verwundungen – im Gegenteil – langsam heilen können.

Ich wünsche mir unsre Kirche, unsere Gemeinschaften, den Apis, dass wir „Erlebnis-Raum“, „Erfahrungsraum der Gnade“ der Gnade werden. Aus der Psychologie wissen wir: Nur wo Menschen Vertrauen haben und erfahren, dass es nicht enttäuscht wird, da kann auch Vertrauen in das Leben, in Gott, in die Gemeinschaft miteinander wachsen. Genau das kann im Raum der Kirche geschehen. Darum bitten wir Gott durch Seinen Heiligen Geist.

Jesus Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“

Offene Türen vorzufinden, gerade jetzt, darauf sind wir angewiesen – Gott will uns Türen öffnen. In dem Losungswort wird es uns aufgezeigt und zugesprochen. Heute aufs Neue.

Wir sollen Zugang haben zu einem Leben, das nicht durch Mangel, sondern durch Fülle, lebendiges Dasein, tiefe Lebensqualität, den Reichtum an Liebe und Hoffnung gekennzeichnet ist.

Gott selbst, Christus ist die Tür zur Lebensfülle. Er öffnet den Erlebnisraum, den Erfahrungsraum der Gnade. Er fängt neu mit uns an, auch mit seiner Kirche und den Gemeinschaften. Er gibt uns eine neue Zusage, ein neues Wort: „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“

Offene Türen rennen wir ein, wenn wir Gottes Nähe suchen. Christus empfängt uns mit großer Annahme, eröffnet weite Räume – für alle, die es möchten, für seine Gemeinde: In Christus begegnen wir uns, teilen Leben, Sehnsucht, Träume, Traurigkeiten. Auf unsre Wege lernen wir, mit Gottes Blick zu schauen: Vergebend, annehmend, voll Hoffnung.

Räume der Gnade, wo wir das erleben, den wünsche ich uns allen, den Apis in ihrer großen seelsorgerlichen und diakonischen Arbeit, der Arbeit unsrer Landeskirche.

Offene Türen rennen wir ein, wenn wir Gottes Nähe suchen. Christus empfängt uns mit großer Annahme, eröffnet weite Räume – für alle, die es möchten, für seine Gemeinde: In Christus begegnen wir uns, teilen Leben, Sehnsucht, Träume, Traurigkeiten. Auf unsre Wege lernen wir, mit Gottes Blick zu schauen: Vergebend, annehmend, voll Hoffnung.

Frank O. July

Ich danke den Apis, dass sie immer schon eine Gemeinschaft waren, die ihren Raum in der Landeskirche hatten, die sich darin eingebracht haben in den Gemeinden und auch auf landeskirchlicher Ebene in der Synode und auch ihre Ideen mitbringen, wie die Liebe und Gnade Christi in unsrer Kirche bezeugt werden kann.

„Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den oder die werde ich nicht abweisen.“

Gnade sei mit euch und Frieden von unserem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Die Predigt von Landesbischof July als Download


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