Immer wieder fasziniert mich die Schönblick-Geschichte: Am 1. September 1914 wurde der Kaufvertrag des 9 ha großen Grundstücks im Rathaus zu Schwäbisch Gmünd unterschrieben. Am selben Tag brach der 1. Weltkrieg aus. Kann man im Krieg ein Erholungs- und Gästehaus bauen? Ist das Risiko nicht zu hoch? Unsere Api-Glaubensväter ließen sich von der Tagespolitik nicht einschüchtern. So wurde am 13. Mai 1915 der Grundstein gelegt und bereits am 2. Juli 1916 der Schönblick eingeweiht. Damals fand man keine deutsche Firma, die das große Bauvorhaben angehen wollte. Schließlich baute die von einem Italiener geführte Firma Bortolazzi den Schönblick, obwohl diese Firma noch nie zuvor einen Hochbau erstellt hat. Sie hatte sich auf Straßenbau spezialisiert.

Ich staune über den Glaubensmut unserer Väter. Geprägt von österlicher Hoffnung bauten sie. Mitten im Krieg entstand ein Ort des Friedens, mitten in Dunkelheit ein Ort des Lichtes nach dem Motto: „Und wenn Morgen die Welt unterginge, werde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Weil Jesus auferstanden ist und den Tod überwunden hat, gibt es Hoffnung und Zukunft.

Am 2. Dezember 2022 sind unsere Gäste aus der Ukraine bereits 9 Monate bei uns. Der Leiter der Gruppe der Evakuierten (Menschen mit Behinderungen, ihre Kinder und Betreuer), Serhij Bolchuk, hat mir Folgendes berichtet:

Vor etwa 12 Jahren sei er bereits mit seiner Frau Nataliya zu einer europäischen Konferenz bei uns auf dem Schönblick gewesen. Dort erzählte ihm jemand von der Entstehungsgeschichte des Schönblicks. Serhij war sehr beeindruckt. Im Jahr 2014 baute er in der Ukraine das christliche Reha-Zentrum „Agape“ für Menschen mit Behinderungen. Dann brach plötzlich der Krieg in der Ostukraine aus. Die Krim wurde von Russland annektiert. Serhij und Nataliya und die Verantwortlichen fragten sich: „Können/dürfen wir jetzt im Krieg weiterbauen? Wird sich der Krieg ausweiten?“ Mitten in diese bangen Fragen hinein erinnerte sich Serhij an den Schönblick. Dadurch ermutigt, bauten sie weiter und weihten das Agape-Zentrum im Jahr 2016 ein.

  • Foto: Schönblick
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Dass sich die Entstehungsgeschichte des Schönblicks genau 100 Jahre später als Segen und Ermutigung für Christen in der Ukraine erweisen durfte, ist für mich ein Wunder. Gott schreibt Geschichte. Er greift auf wunderbare Weise ein. Als nach wenigen Tagen des Überfalls auf die Ukraine (24.02.2022) die Evakuierung in Gang kam, wussten Serhij und Nataliya nicht, wohin die Reise gehen sollte. Erst nach Tagen der Flucht erfuhren sie, dass sie vom Schönblick aufgenommen werden würden. Sie konnten ihr Glück kaum fassen. Nun erzählt mir Serhij, dass er durch den Aufenthalt bei uns viele Ideen und Visionen für die Weiterentwicklung des Reha-Zentrums „Agape“ bekommt. Serhij und Nataliya blicken voller Hoffnung in die Zukunft und setzen ihr ganzes Vertrauen auf Jesus.

Martin Scheuermann, Direktor des Schönblick

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