Texterklärung

Dieses überaus vielschichtige Gleichnis gipfelt in Vers 31. Für Zeit und Ewigkeit ist die entscheidende
Frage, auf welche Stimmen und Worte wir hören, weil wir nach diesen leben werden. Wir werden ermahnt, auf das Wort Gottes, seine Gebote, die Worte zum Leben sind, und sein prophetisches Wort, das in unser Leben hineinspricht, zu hören. Könnte hier sogar von Jesus selbst gesprochen werden? Er, als der neue Mose, der höchste Prophet, das fleischgewordene Wort Gottes und der Auferstandene, kann von uns gehört oder überhört werden.

gekannt

Im ganzen Gleichnis bilden der reiche Mann und der arme Lazarus ein Paar der Gegensätze. Es ist jedem
Hörer klar, dass es der reiche Mann ist, der von seinen Mitmenschen gekannt und anerkannt wird. Ganz anders steht es um den armen Lazarus: der Unbekannte, Übersehene, Verachtete. So ist die menschliche Realität und so ist der beschriebene Umgang des reichen Mannes mit Lazarus. Jedoch ist die göttliche Realität eine ganz andere. Der reiche Mann bleibt bei Jesus namenlos und der arme Lazarus wird von Jesus mit Namen gekannt und genannt. Man kann auch sagen, dass Lazarus von den Menschen verkannt ist.

Das Gleichnis darf uns herausfordern zu fragen, welche Menschen wir verkennen. Welche Menschen sind von Gott mit Namen gekannt und von uns übersehen und ungekannt? Welche Menschen stehen, sitzen und liegen vor unseren Türen und Füßen und benötigen unsere Hilfe, unsere Unterstützung, unsere Zuwendung? Und auch dort, wo wir selbst verkannt, arm und bloß sind, dürfen wir gewiss sein, dass Jesus uns mit Namen kennt und sieht.

gehört

Genauso, wie Lazarus von Gott gekannt wird, so wird er auch von ihm gehört. Die Bedeutung des Namens
Lazarus ist: Gott hilft. Augenscheinlich mag Lazarus zu Lebzeiten nicht erfahren haben, dass Gott ihn kennt und hört. Denn er musste in Armut und Krankheit leben. Jedoch wird an dem gesamten Gleichnis deutlich, dass mehr als das Materielle zählt und die Gottesbeziehung entscheidend ist. Der Name Lazarus und die Beschreibung des Trostes im Schoß Abrahams zeigt, dass Lazarus aus seinem Verhältnis zu Gott lebte. Er lebt und stirbt als Kind Abrahams und damit als Kind Gottes. Diese Gottesbeziehung zeugt davon, dass er von Gott gehört wird, und genauso auf Gott und sein Wort hört.

Der reiche Mann und sein Anliegen in den Versen 27-31 zeugen davon, wohin es führt, wenn wir nicht auf Gott und sein Wort hören. Vordergründig hat er im Leben alles gehabt, was das Herz begehrt. Er „lebte alle Tage herrlich und in Freuden“. Er lebte aber ähnlich wie der reiche Kornbauer (Lk 12,16-21) nur in Beziehung zu sich selbst und seinem Besitz. Was ihm fehlt, war die Beziehung zu Gott und dem Nächsten. Selbst seine Brüder fallen ihm erst nach dem Tod ein.

Im ganzen Lukasevangelium wird vor der Gefahr durch die Verführung des Reichtums gewarnt. Dabei geht es aber gerade nicht um die Glorifizierung der Armut, sondern wie wir dieser begegnen können und sollen. Der Reichtum selbst ist nicht das eigentliche Problem. Jedoch hat ihn dieser blind für den armen Lazarus vor seiner Tür und taub für Gottes Wort in der Form von „Mose und die Propheten“ gemacht. Wie für den reichen Mann und seine Brüder bleibt die Frage: Welche Stimmen und Worte hören wir? Welche Worte sind wir bereit zu hören und auch zu glauben? Sind es Worte des Lebens oder Worte des Todes?

getragen

Es ist der arme Lazarus, der getragen ist und getragen wird. Es ist Gott bzw. Jesus selbst und seine Gotteskindschaft, sein Glauben, sein Vertrauen, der ihn trägt. Lazarus wird durch ein Leben in Armut und Leid und den Tod selbst getragen. Die Engel Gottes tragen ihn in Abrahams Schoß. Der reiche Mann hingegen stirbt und wird begraben. Sprachlich und bildlich könnte der Unterschied nicht größer sein. Mit dem Tod bleibt nichts mehr, was ihn zu tragen vermag. Es bleibt nur das Grab. Die angemessene Reaktion auf unseren möglichen Reichtum ist Dankbarkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit diesem. Jedoch bleibt die Herausforderung, immer wieder neu zu prüfen, auf was und wen wir uns verlassen, vertrauen und hoffen. Spätestens im Angesicht unseres eigenen Todes wird sich zeigen müssen, was und wer uns trägt.

Fragen zum Gespräch
  • Was bedeutet es mir, von Jesus mit Namen gekannt zu werden? Wen gilt es für uns, mit Namen kennenzulernen?
  • Welche Worte und Stimmen haben uns in unserem Leben geprägt und wie hat sich unser Leben durch Gottes Wort verändert?
  • Wo haben wir konkret erfahren, dass Gott/Jesus uns trägt und durchträgt?

Simmon Weigt, Gemeinschaftspastor

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