Texterklärung

Es ist das einzige Mal, dass Lukas berichtet, wie Jesus außerhalb von Galiläa und Judäa wirkt – bei Matthäus und Markus erfahren wir mehr von solchen „Auslandseinsätzen“. Es ist ein Gebiet, das überwiegend heidnisch besiedelt ist. Deshalb gibt es dort auch Schweine, die den Juden als unrein gelten. Aber es ist nicht das einzige Mal, dass Jesus Dämonen gebietet, einen Menschen freizugeben; das war fast alltäglich. Dass Besessene wie andere Kranke außerhalb der Wohnsiedlungen vegetieren mussten, war üblich.

Herrschaftswechsel statt Menschenverderben

Es ist eine dramatische Begebenheit, die uns der Evangelist Lukas überliefert. Ein von Dämonen besessener Mensch wird derart gepeinigt, dass er sich und andere gefährdet. Er kann nicht mehr in einer Wohnsiedlung leben. Er vegetiert in der Einöde und sucht Unterschlupf in Grabhöhlen. Eine echte Tragödie tiefsten Ausmaßes. Heute wird gerne belächelt, wenn in der Bibel und in anderen Kulturen von Dämonen die Rede ist. Die ach so aufgeklärten Europäer verweisen das gerne in das Reich der Fabeln. Aber es ist eine bittere Tatsache, dass böse Kräfte Menschen ins Verderben stürzen – bis heute und auch bei uns. Nur wirken Dämonen bei uns verborgener und subtiler. Ich halte jede Form der Sucht bereits für
dämonisches Wirken, weil hier ein Mensch sich nicht mehr selbst im Griff hat, sondern von einer fremden
Macht beherrscht wird, die ihn letztlich ins Verderben führt.

Dann betritt Jesus diese finstere Szene. Sofort wissen die Dämonen nicht nur, dass er Gottes Sohn ist, sondern dass sie nun keinerlei Macht mehr haben. Der Herrschaftswechsel ist unvermeidlich! Übrigens, wenn sogar in christlichen Kreisen behauptet wird, dass Satan und seine Dämonen ebenbürtige Feinde Gottes sind, so müssen wir das als unbiblisch zurückweisen. Die Dämonen müssen sich immer Gott und seinem Sohn unterwerfen, sie sind niemals ebenbürtig!

Foto: pixabay.com / Michael Strobel
Menschenrettung statt Tierschutz

Im Dialog erfährt Jesus, dass es tausende Dämonen sind, die sich dieses Mannes bemächtigt haben. Sie nennen sich „Legion“, die größte Militäreinheit der römischen Macht, 5000-6000 Mann stark. Das sind mehr Dämonen in einem einzigen Menschen als römische Soldaten zurzeit Jesu im Land Israel stationiert waren! Sie bitten Jesus darum, nicht in den Abgrund verschwinden zu müssen. Das griechische Wort abyssos meint den Herrschaftsbereich Satans, wo er während des tausendjährigen Reichs dann auch gebunden sein wird (Offb 20,1-3). Dass nicht einmal Dämonen dorthin wollen, zeigt, wie schrecklich dieser Ort absoluter Gottesferne ist! Stattdessen bitten sie Jesus darum, in eine Herde Schweine fahren zu dürfen. Jesus erlaubt das, aber für die Schweine endet es tödlich. Es ist für heutige Ohren völlig befremdlich, dass Jesus, der Schöpfer aller Geschöpfe, den Tod so vieler Tiere in Kauf nimmt. Das passt doch gar nicht zum Tierschutzgedanken unserer Zeit! Aber wir müssen dem entgegenhalten, dass Jesus
dadurch ein Menschleben rettet – und zwar im körperlichen wie im geistlichen Sinn! Das hat bei Jesus klare Priorität! So wertvoll Tiere sind und vielleicht auch irgendwie in der Neuschöpfung vorhanden sein werden, so hat Gott eben doch den Menschen nach seinem Bild gemacht und seinen Sohn zur Rettung der geliebten Menschen in die Welt gesandt. Das hat bei Gott immer Vorrang!

Heimatmission statt Auslandseinsatz

Der Mann ist gerettet! So sehen es auch die Augenzeugen (V. 36). Das griechische Wort sozein ist jenes,
das den Auftrag von Jesus beschreibt: retten, befreien, heilen, helfen, bewahren. Eine solche Rettung ist hier durch Jesus geschehen. Die meisten Leute sind davon befremdet. Aber der von den Dämonen befreite Mann bittet Jesus, bei ihm bleiben zu dürfen. Er ist bereit, ein Jünger zu werden und seine ursprüngliche Heimat zu verlassen. Doch Jesus hat etwas anderes mit ihm vor. Er nimmt ihn nicht mit in das für ihn fremde jüdische Land, sondern er gibt ihm eine Platzanweisung in seiner Heimat. Dort soll er von dem verkündigen, was Gott Großes an ihm getan hat. So ist es auch bei uns oft. Nicht alle sollen in die Auslandsmission, aber unser Zeugnis im persönlichen Lebensumfeld ist immer wichtig. Denn auch wir haben zu berichten, was Gott Großes an uns getan hat!

Fragen zum Gespräch
  • Der erste deutsche Tierschutzverein wurde 1837 durch die Initiative Stuttgarter Pietisten gegründet. Welche Rolle spielen der Tierschutz und die Bewahrung der Schöpfung in unseren Gemeinden und Gemeinschaften?
  • Was hat bei Gott absolute Priorität? Und wie sieht es damit in unserem Leben aus?
  • Wo entdecken wir in unserem Umfeld dämonische Einflüsse?
  • Wenn Jesus den Geretteten bewusst wieder nach Hause schickt, was könnte das für uns bedeuten?

Dr. Ekkehard Graf, Dekan
Marbach am Neckar

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