Interview mit Stefanie Bahlinger

Stefanie Bahlinger, Jahrgang 1963, ist Malerin und lebt in Belsen, einem kleinen Ort in der Nähe von Mössingen im Zollern-Alb-Kreis. Bestimmt haben viele Leser schon einmal ein Bild von ihr gesehen, ohne es zu wissen. Sie malt beispielsweise seit vielen Jahren Bilder zur Jahreslosung, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Außerdem hat sie die Glasfenster in der Christophorus-Autobahnkapelle an der A61 beim Parkplatz Kochertalbrücke gestaltet. Es lohnt sich absolut, dort einen Stopp einzulegen und diese Bilder auf sich wirken zu lassen.

Dabei war es gar nicht selbstverständlich, dass Stefanie Bahlinger zu einer christlichen Künstlerin wurde. Denn lange hatte sie gegenüber allem Kirchlichen und Christlichen eher Vorbehalte. Doch dann geschah etwas, sie schreibt dazu auf ihrer Internetseite: „1994 gab es einen bedeutsamen Schnitt in meinem Leben: Ich entdeckte den christlichen Glauben für mich – und bekam dadurch einen neuen Augen- und Herzensöffner. Der bisher weit entfernte unnahbare Gott wurde plötzlich persönlich. Diese Beziehung drückt sich auch in meinen Bildern aus: Sie wollen Hoffnung und Freude vermitteln, wollen ein Lichtstrahl sein zwischen Himmel und Erde. Und sie sollen widerspiegeln, wie ich Gott erlebe: Großzügig, weit, einladend und farbenfroh!“

Cornelius Haefele (CH): Stefanie, kannst du mir erzählen, wann der Moment war, an dem du selbst wusstest: ich bin Künstlerin?

Stefanie Bahlinger (SB): Tatsächlich war das schon als Kind. In der Schule, von meinen Eltern und ganz besonders von einem Lehrer, bekam ich immer wieder gesagt: Aus dir wird mal eine Künstlerin. Und ja, weil ich das so gerne gemacht hab, habe ich es oft gemacht und mich dann auch immer weiterentwickelt. So wurde ich selbst immer sicherer darin: Ich bin Künstlerin. Allerdings, das muss ich auch sagen, gibt es bis heute auch immer wieder Momente, wo ich mal denke: Ich bin gar nicht gut genug. Das gehört auch dazu. Die Zweifel reisen immer mit, wenn man Perfektion anstrebt oder sich mit anderen vergleicht.

  • Foto: © Die Apis
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CH: Mich interessiert der schöpferische Akt. Hier in deinem Atelier sieht man ganz viele Werke von dir. Viele davon sind um ein Bibelwort herum gestaltet. Du malst also z. B. ein Bild für die Jahreslosung. Du liest das Bibelwort und dann? Wie wird aus einem Bibelwort ein Bild?

SB: Zuerst lese ich den Satz im Kontext. Ich lese das ganze Kapitel. Dazu nehme ich alle meine Bibelübersetzungen von der Volxbibel bis hin zur Elberfelder mit Sprachschlüssel und studiere ganz genau, was da steht. Ich frage mich dann: Was bedeutet das für mich und mein Leben? Dann geht es automatisch los, es kommen die ersten Bilder in meinen Kopf. Beim Frühstück fang ich dann nebenbei schon mal an, kleine Skizzen in mein Buch zu zeichnen. (Stefanie Bahlinger zeigt uns ein Buch, das voll
ist mit Notizen, kleinen Zeichnungen, Skizzen, Farbtupfern, Ideen, man spürt förmlich, wie einem die geballte Kreativität entgegenkommt.) Ich gehe schwanger mit dem Bibelvers. Dann gehe ich spazieren, jeden Tag die gleiche Runde und denke weiter darüber nach. Irgendwann beginne ich dann, richtig zu malen. Dann entstehen die ersten Bilder, manchmal auch viele Bilder zu diesem Bibelvers.

CH: Wie entscheidest du, welches Bild es dann sein wird? Was dein Favorit ist?

SB: Ich zeige die Bilder anderen und frage sie, was sie meinen. Aber tatsächlich trifft am Ende der Verlag die Entscheidung, welches Bild für die Jahreslosung veröffentlicht wird. (Sie schmunzelt.) Einmal hab ich sechsundzwanzig Entwürfe eingeschickt. Das war bei der 2012er-Jahreslosung „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“.

Die Zweifel reisen immer mit, wenn man Perfektion anstrebt oder sich mit anderen vergleicht.

Stefanie Bahlinger

CH: Ich finde, Künstler sind „Kollegen Gottes“. Sie schaffen aus nichts, wo ich noch gar nichts sehe, etwas.
So, wie Gott die Welt aus dem Nichts geschaffen hat. Nun frage ich mich, wenn ich so ein Bild von dir ansehe und merke, dass das etwas in mir auslöst: wie ist das bei dir, der Schöpferin dieses Bildes? Du hast etwas von Gottes Schöpferkraft abbekommen, fühlst du dich beim Erschaffen so eines Bildes dem Schöpfer besonders nahe?

SB: Auf jeden Fall. Immer eigentlich. Ich erlebe das auch als eine Abhängigkeit. Er schenkt mir die Bilder, er lotst mich durch den ganzen Prozess. Ich weiß ja gar nicht, was die Menschen brauchen und dann bitte ich Gott oft: Zeig mir oder gib mir das, was die Menschen brauchen. Dann bin ich immer wieder erstaunt, was dann kommt und denke: Okay, von mir ist das nicht. Und ja, aus nichts entsteht dann etwas. Da ist eine leere Leinwand und es entsteht etwas.

CH: Von Gott heißt es in der Schöpfungsgeschichte: Er sah an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Gott freut sich an seiner Schöpfung. Wie geht es dir mit deinen Schöpfungen?

SB (strahlt): Ja, das geht mir auch so. Ich bin manchmal selbst überrascht, wie mir meine eigenen Bilder, z.B. die Farben gut tun. Und noch mehr freut es mich, wenn ich merke, dass es anderen Menschen auch so geht und meine Bilder ihnen etwas sagen. Ganz besonders ging es mir bei der Autobahnkapelle so. Ich hatte so etwas vorher nie gemacht und hab es einfach probiert. Neulich war ich mal wieder dort und habe mich selbst so daran gefreut, dass ich das machen durfte und wie schön es geworden ist und dass es nun so vielen Menschen Freude bereitet.

Stundenlang malt man und macht, verfolgt Ideen, findet sie erstmal toll, dann plötzlich gar nicht mehr.

Stefanie Bahlinger

CH: Ich wage, es zu fragen: Kommt es auch vor, dass dir etwas misslingt? Erzähl doch mal.

SB (Große Heiterkeit): Da müsste ich jetzt mal eben mein Altpapier holen. Klar passiert das. Tage, an denen es überhaupt nicht läuft. Stundenlang malt man und macht, verfolgt Ideen, findet sie erstmal toll, dann plötzlich gar nicht mehr. Malt drüber, kratzt ab, tut es ins Altpapier. Und am Ende des Tages bin ich total gefrustet. Manchmal malt man etwas kaputt, verschlimmbessert so lange, bis man es selbst nicht mehr mag. In der Zwischenzeit glaube ich aber, dass auch das dazu gehört. Ich verbuche es unter: Übung!

CH: Jetzt kommt noch eine schräge Frage. Ich habe schon als Kind gedacht: Jetzt male ich was. Vor meinem inneren Auge sah ich das Bild ganz genau. Dann habe ich losgemalt, aber das, was rauskam, war nie das, was ich im Kopf hatte. Das ist bis heute so. In meinem Kopf bin ich ein grandioser Künstler, aber meine Hände wissen davon nichts. Erklär mir doch mal ganz kurz, wie geht das? Wie hast du das gelernt?

Das Interview als Video mit Eindrücken aus dem Atelier von Stefanie Bahlinger.

SB: Man kann das alles lernen. Auch ich war mal in einem Kurs: „Zeichnen für Anfänger“. Dann braucht es natürlich auch Begabung. Aber bei allem ist es dann auch eine Sache der Übung. Ich arbeite oft erstmal mit Vorlagen und daran übe ich: Stimmen Licht und Schatten? Wie ist es mit der Perspektive, den Proportionen? Eben üben, üben, üben.

CH: Letzte Frage, Stefanie: Wenn du eines Tages zu Hause beim Vater ankommst, wird dir der Schöpfer begegnen. Stell dir vor, er wird sagen: „Wie schön, dass du endlich da bist, Steffi! Du, ich hätte einen Wunsch an dich: Malst du mir ein Bild für mich?“ Was würdest du malen?

SB (freut sich und ruft in breitem Schwäbisch): Isch des a scheene Frog!!! Wow! (Dann ohne weiteres Überlegen) Ich würde ein Pferd malen, ganz spontan, ohne nachzudenken, weil ich Pferde so faszinierend finde. Es sind für mich so schöne, majestätische Geschöpfe, vor allem, wenn sie in Bewegung sind.

CH: Vielen Dank, Stefanie, dass wir dich besuchen und befragen durften! Wir sind gespannt auf deine ersten Entwürfe vom „Pferd in Bewegung“…

Link:
Zur Website von Stefanie Bahlinger

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