Wir alle sehnen uns nach einer heilen Welt – und das ist voll und ganz berechtigt! Denn eine heile Welt ist das, was Gott von Anfang an wollte und so auch geschaffen hatte: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (1Mo 1,31). Eine heile Welt ist das, was Gott auch wieder ganz am Ende der Weltgeschichte schaffen will und wird: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21,4-5). Von daher ist es nicht verwerflich und kein billiger Trost oder Weltflucht, wenn wir die Sehnsucht nach einer heilen Welt in uns tragen, denn wir befinden uns damit direkt in Gottes Spur.

„GmbH“ – „Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung“

Und was noch dazukommt: Diese Sehnsucht nach einer neuen vollkommen heilen Welt Gottes ist kein fantastischer Wunschtraum, keine Illusion, sondern ist eine wohl begründete Hoffnung. Ja, als Christen bilden wir eine große „GmbH“ – eine „Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung“. Denn Gott selbst hat uns Garantien gegeben, dass diese Hoffnung tatsächlich in Erfüllung gehen wird. So hat er bereits drei entscheidende Schritte vollzogen, damit wirklich alles neu werden und die neue Welt Gottes kommen
kann.

Der erste Schritt war, dass Jesus Christus mit der eigentlichen Ursache für all das Unheil, alles Leid und all die Not in dieser Welt aufgeräumt hat – mit der Sünde. Sünde, das ist die Krankheit einer zerbrochenen Beziehung zu Gott. Wir Menschen haben uns nämlich von Gott, der Quelle des Lebens, losgesagt und wollten unser Leben selbst in die Hand nehmen. Und diese Krankheit der vermeintlichen Autonomie hat dann all die schlimmen Symptome von zerbrochenen Beziehungen, Leid, Not und Tod mit sich gebracht. Damit wir Menschen von diesen Symptomen einst einmal frei sein können, musste zuerst der Krankheitsherd selbst, die Sünde, unsere zerbrochene Beziehung zu Gott, beseitigt werden. Der Sohn Gottes, Jesus Christus, hat genau das getan, indem er sich unsere Sünde aufgeladen, sie ans Kreuz getragen und sie so mit sich fort in den Tod genommen und beseitigt hat. Und damit ist der Weg für die Heilung der zerbrochenen Beziehung zu Gott und damit auch für die noch ausstehende Heilung von den Symptomen, von Leid und Tod, frei geworden.

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Das Sterben Jesu heilt die zerbrochene Beziehung zwischen Gott und Mensch.

Der zweite Schritt, den Jesus Christus vollzogen hat, war, dass er tatsächlich auch diese Symptome am eigenen Leib überwunden hat. Drei Tage nach seinem leidvollen Sterben ist er von den Toten auferstanden – mit einem neuen Leib, der schon all die Merkmale der neuen Welt Gottes ohne Leid, Schmerz und Vergänglichkeit trägt. Damit ist deutlich: Dieses Ziel gibt es echt, denn der erste ist schon wirklich dort angekommen: „Christus Jesus, der den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat“ (2Tim 1,10; ELB). So hat Gott sein Versprechen schon wahr gemacht, zunächst einmal an der ersten Person, an Jesus Christus, aber ihm sollen und werden Tausende, Millionen und Abermillionen folgen.

Und dazu hat Jesus Christus auch schon den dritten Schritt vollzogen: Er ist aufgefahren in den Himmel und hat das mit der Zusage verbunden: „Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.“ (Joh 14,2-3).

Wenn wir die Sehnsucht nach einer heilen Welt in uns tragen, befinden wir uns damit direkt in Gottes Spur.

Johannes Lange

So dürfen wir als Nachfolger Jesu mit Fug und Recht proklamieren, dass wir eine „GmbH“, eine „Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung“ sind, denn Gott selbst hat uns bereits konkrete Garantien dafür gegeben, dass diese Hoffnung einer neuen heilen Welt tatsächlich in Erfüllung gehen wird.

Aber gegenwärtig sind wir mit so unglaublich viel Notvollem, Schrecklichem und Belastendem konfrontiert, das uns schier zu Boden drückt und zur Verzweiflung bringt – sei es das, was im Großen in dieser Welt passiert, seien es schwere Erfahrungen und Situationen ganz nah in unserem persönlichen Leben und Umfeld. Jeder von uns könnte da sofort eine lange Liste aufzählen. Wie sollen wir damit umgehen, damit fertigwerden?

Zu dem gehen, der tiefes Verständnis für uns hat

Das Erste, was ich sehe: Wir dürfen all das, was uns schwer ist und niederdrückt, zu unserem Herrn Jesus Christus bringen und vor ihm ausbreiten, ihm das in aller Ausführlichkeit erzählen, uns von der Seele reden. Dazu lädt uns Gottes Wort ein, ja fordert uns bewusst dazu auf: „Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht“ (Ps 62,9). Und das können wir in der Gewissheit tun: Wir sprechen das vor jemanden aus, der ein ganz tiefes Verständnis für uns hat, weil er selbst durch schwerste Not gegangen ist: „Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen vor den gebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte …“ (Hebr 5,7) „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde“ (Hebr 4,15). Bei dem, der selbst durch größtes Leid gegangen ist, dürfen wir uns mit dem, was wir vor ihm ausbreiten, bestens verstanden und aufgehoben wissen.

Das bisher Gewohnte auf den Prüfstand stellen

Das Zweite: Schwere, leidvolle Erfahrungen bringen es mit sich, dass das Leben auf einmal nicht mehr so ist, wie es vorher war. Das sollten wir als heilsamen Anstoß nehmen, das bisher Gewohnte, Bekannte einmal grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen und uns ehrlich zu fragen: Worauf habe ich mich bisher gestützt? Was hat mir Halt gegeben, worauf habe ich mich verlassen? Und gerade auch als Christen uns ehrlich fragen: Wo haben sich bei mir da schleichend Prioritäten verschoben? Wo war nicht wirklich Jesus Christus selbst mein Fels, meine Orientierung, mit dem zusammen ich meine Prioritäten gesetzt und Entscheidungen gefällt habe? Wo waren es doch eher vergängliche, eigenmächtige Dinge, von denen ich mich habe leiten und mein Leben ausfüllen lassen? „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege“ (Ps 139,23-24).

Bei unserem Dienst von „Licht im Osten“ an ukrainischen Flüchtlingen erleben wir das gerade ständig, dass sehr, sehr viele dieser Menschen ein genauso großes Verlangen nach christlicher Literatur wie nach Lebensmitteln und Hygieneartikeln haben und bezeugen: „Das furchtbare Erleben der Kriegsnot und die Tatsache, dass ich all mein Hab und Gut verloren habe, hat mich dazu gebracht, dass ich angefangen habe, nach Gott zu fragen. Und nun bin ich so dankbar, dass ich auf diesem Wege die Bibel kennengelernt und Jesus Christus gefunden habe und er mir ewiges Leben geschenkt hat. Das wäre nicht geschehen, wenn mein Leben einfach so wie bisher weitergelaufen wäre.“

Die begründete Hoffnung in uns nähren

Das führt uns weiter zum Dritten und zugleich wieder zum Anfang unserer Überlegungen: Im Umgang mit dem gegenwärtigen schweren Leid wird es uns eine große Hilfe sein, wenn wir diese lebendige, von Gott sogar mit Garantien versehene Hoffnung auf seine neue Welt in uns wachhalten, nähren und mehren. Diese begründete Sehnsucht und Hoffnung wird in uns ein Motor sein, um mit dem gegenwärtigen Unheil besser fertig zu werden, es besser zu ertragen und trotz allem Widerwärtigen und Notvollen getrost die Aufgaben und Herausforderungen anzupacken, die unser Herr und Heiland jetzt in der Gegenwart für uns hat. Diese lebendige Hoffnung auf die kommende Welt setzt Kräfte frei, anders mit dem Schweren umzugehen, mit dem wir jetzt konfrontiert sind. So können wir uns immer wieder bewusst machen: Die Not ist vorübergehend, auch wenn sie für uns sehr, sehr lange dauert, aber trotzdem: Sie ist endlich, nicht un-endlich. Und dann kommt die neue, heile Welt. Das gibt Kraft zum Durchhalten.

Diese lebendige Hoffnung auf die kommende Welt setzt Kräfte frei, anders mit dem Schweren umzugehen.

Johannes Lange

Hier ist es gut, wenn wir uns ein konkretes Etappenziel setzen: das Etappenziel, dass uns die Hoffnung und die innere Ausrichtung auf die kommende, heile Welt Gottes zunächst einmal mindestens genauso wichtig ist und genauso viel Raum einnimmt wie all die Dinge, die uns sonst so in unserem alltäglichen Leben in Anspruch nehmen. Suchen wir in Gottes Wort bewusst die Stellen, die von dieser künftigen Hoffnung sprechen. Und geben wir ihnen immer wieder Raum in unserem Herzen, um so wenigstens dieses Etappenziel zu erreichen. Denn eigentlich darf und soll die Ausrichtung auf Gottes neue Welt ja sogar weit vorn an erster Stelle stehen. Wie bei den Christen in Thessalonich, von denen es heißt: Ihr habt „euch bekehrt … zu Gott, weg von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns errettet von dem zukünftigen Zorn“ (1Thess 1,9-10).

Lassen wir uns doch mitten in all den Krisen diese herrliche Vorfreude auf die kommende heile Welt Gottes nicht entgehen!

Pfarrer Johannes Lange ist Missionsleiter von LICHT IM OSTEN
www.lio.org/de

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