Texterklärung

Johannes beginnt das Kapitel mit einem Paukenschlag: Wer zu Jesus gehört, erlebt nicht nur einen Neuanfang, sondern bekommt eine ganz neue Identität als Kind Gottes. Zu dieser neuen Existenz gehört, dass das Leben durch und durch umgestaltet wird, sich Jesus angleicht und ihn widerspiegelt.

Kinder Gottes (V.1-3)

Als wir einige Jahre in Afrika lebten, wurde meine Frau von unseren Angestellten „Mamma“ genannt. Das kam uns lange komisch vor, waren wir es doch gewohnt, dass nur Kinder ihre Mutter so nennen. Im Laufe der Zeit lernten wir aber, diese Bezeichnung schätzen. Denn sie drückt einerseits eine gewisse Autorität aus, andererseits eine vertraute Beziehung. So sieht Johannes auch unser Verhältnis zu Gott. Dabei betont er aber, dass wir nicht nur eine neue Bezeichnung haben, sondern eine neue Identität.

Der „Welt“ bleibt die Freude einer persönlichen Beziehung zu Jesus etwas Fremdes (V. 1b). Aber auch Christen haben manchmal damit zu kämpfen, wenn sie auf ihr persönliches Versagen blicken. Darum betont Johannes: Es gibt eine Spannung zwischen dem „schon“ und dem „noch nicht“ (V. 2). Wir sind „schon“ Kinder Gottes, aber „noch nicht“ wie Jesus. Das wird sich einmal ändern, wenn wir Jesus von Angesicht zu Angesicht sehen.

Konkret: Das Leben als Kind Gottes ist ein Prozess, in dem wir dem Vater immer ähnlicher werden. Er ist erst abgeschlossen, wenn wir Jesus gegenüberstehen. Aber weil wir wissen, dass es unsere Bestimmung ist, Jesus widerzuspiegeln, sind wir schon jetzt motiviert, nach dem Grundsatz zu leben: „Wie im Himmel, so auf Erden“. Wenn wir dabei scheitern, verlieren wir nicht unsere Kindschaft, sondern dürfen unser Leben wieder vor Gott ins Reine (V. 3) bringen.

Kinder des Teufels (V. 4-10)

Wer kein Kind Gottes ist, der ist ein „Kind des Teufels“ (V. 10). Johannes sagt hier nicht, dass Jesus gekommen ist, um den Teufel („diabolos“ = Durcheinanderbringer) zu zerstören, sondern seine Taten (V. 8). Diesen Sieg über Sünde und Tod hat er auf Golgatha errungen (1Kor 15,55).

Nicht nur „Kinder des Teufels“, sondern auch „Kinder Gottes“ sündigen. Dennoch gibt es einen gewaltigen
Unterschied. Wenn ein Mensch „in Sünde fällt“ und zu Jesus kommt, „damit er die Sünde wegnehme“ (V. 5), dann ist das ein Zeichen, dass er ein Kind Gottes ist. Denn er hat eine distanzierte Grundhaltung zur Sünde. Wenn ein Mensch dagegen gewohnheitsmäßig „in Sünde lebt“, dann ist dies ein Zeichen, dass er ein „Kind des Teufels“ ist, also noch keine neue Identität hat.

Konkret: Vier Punkte helfen, um hartnäckige Sünden zu überwinden:

  1. Bitte um die Kraft des Heiligen Geistes.
  2. Lass dich vom Wort Gottes prägen.
  3. Meide Situationen, die dich in Versuchung bringen.
  4. Nimm die Hilfe von Mitchristen an.
Foto: pexels.com / Min An
Liebe leben (V. 11-18)

Johannes zeigt gerne Gegensätze auf: „Kinder Gottes“ und „Kinder des Teufels“ (V. 1-10), „Ewiges Leben“ und „ewiger Tod“ (V. 14), „Liebe“ und „Hass“ (V. 15-16). Die göttliche Liebe (agape) zeigt an, wer „aus Gott geboren“ (V. 9) ist. So ein Mensch hat das neue Leben (V. 14) und gleicht sich immer mehr Jesus an (V. 16). Der „Hass“ zeigt an, wer „von dem Bösen stammt“ (V. 12). So ein Mensch hat das neue Leben nicht (V. 14) und gleicht sich unweigerlich dem Denken und Tun Kains an.

Konkret: Auch unter Christen gibt es Hass und Streit. Entscheidend ist, dass er nicht „bleibend“ (V. 15) wird, sondern durch Taten der Liebe (V. 18) überwunden wird.

Zuversicht bei Schuldgefühlen (V. 19-24)

Auch Christen werden schuldig. Gerade daran, dass ihr Gewissen sie deswegen verurteilt, sehen wir, dass es von Gottes Wort geprägt ist. Denn Selbstgerechtigkeit kennt keine Schuldgefühle. Sie weiß auch nichts vom Wert der Vergebung, die Gott gewährt (V. 19-20). Der Heilige Geist bezeugt uns die Vergebung, damit wir uns nicht länger von Schuldgefühlen bestimmen lassen (V. 24).

Konkret: „Wenn unser Herz uns verdammt“ (V. 20), braucht es manchmal den Mut, sich Vergebung von einem Christen zusprechen zu lassen.

Samuel Trick, Gemeinschaftspastor
Öhringen

Fragen zum Gespräch

  • Wir bringen einen Spiegel mit und spiegeln damit verschiedene Gegenstände. Wie können wir Jesus widerspiegeln?
  • Wir suchen Gegensatzpaare in 1. Johannes: Licht 1,5; Neues Gebot 2,7f.; Liebe zum Vater 2,15f.; Christus 2,18; Wahrheit 2,20f. Welche Gegensätze finden wir in Kapitel 3?
  • Welche weiteren Gesichtspunkte zur Vater-Kind-Beziehung (V. 1-2) nennt die Bibel (z. B.: Joh 1,12-14)? Welche zur neuen Existenz (z. B.: 1Kor 15,52-54)?
  • „In Sünde fallen“ und „in Sünde leben“: Was ist der Unterschied (vgl. 1Joh 1,8-9; 2,1-2)?

Viertel-Schtond

Entdecke auch die „Viertel-Schtond“ mit Matthias Hanßmann zu diesem Text.

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