Texterklärung

Mit diesen Versen aus Psalm 22 wird der Lobpreis eingeleitet. Die Verse 1-22 sind von der Klage geprägt und der Vertrauensbekundung in erfahrener Not und Finsternis. Die Rettung in erlebter Todesgefahr ist der Hintergrund für das Lob, das der Beter jetzt über seinen Gott ausspricht. Ein komplett neuer Gebetston wird angeschlagen. Dieser neue Ton der Zuversicht führt David von allen nationalen Grenzen weg, auch die Völker am äußersten Ende der Erde werden in diese Rettung mit einbezogen. Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit werden im Lob Gottes eins und David weist damit weit über sich und seine Zeit hinaus.

Aufgrund von Rettung

Die Not ist nicht das letzte Wort des Beters David, der schon zum König gesalbt ist, aber noch nicht auf dem Thron sitzt, sondern verfolgt wird und auf der Flucht ist. Diese Situation wird als Hintergrund dieser Notlage vermutet. Nicht das Jammern und die Klage, sondern das Lob in den höchsten Tönen bricht aus dem Beter hervor und das nicht nur für sich in seinem stillen Kämmerlein, sondern in der Gemeinde lobt er seinen Gott. Alle, die zur Gemeinde gehören, das sind alle die, die Gott zur Gemeinde gerufen hat (so die Bedeutung von Qahal), sollen das erfahren. Denn das, was dieser Beter erlebt hat, geht alle an und alle in der Gemeinde sollen dadurch selbst zum Lob geleitet werden. Das Lob Gottes kann der Beter anstimmen, auch wenn die Verhältnisse noch dieselben sein können. Das Lob ist nicht erst die Folge erlebter Rettung. Die Erfahrung der Rettung beginnt schon mit der zugesprochenen Rettung und diese führt zum Dank (V. 25: „als er zu ihm schrie, hörte er´s“). Schon der Schrei zu Gott wird als Erhörung angesehen.

Aufgrund göttlicher Zusagen

Der Dank ist nichts anderes, als davon zu erzählen, was Gott getan hat. In gewisser Weise geht es dabei um die neutestamentliche Thematik von „schon“ und „noch nicht“. Für uns als christliche Gemeinde ist das Reich Gottes mit Jesus schon gekommen, aber noch nicht voll kommen. Vieles ist noch nicht erfüllt, aber wir leben im Glauben und in der Hoffnung, dass es erfüllt werden und kommen wird. Wir loben Gott für die Zusage des ewigen Heils, für das Reich Gottes, das einmal vollkommen dasein wird. Jetzt sehen wir lediglich Zeichen davon.

Das Gebet hat für David auch den Aspekt, vor Gott zu Menschen zu reden. Diese Aufforderung soll keine Nötigung sein, sondern eine Öffnung der eigenen Geschichte für andere und die Einladung zur Teilhabe an der eigenen Gotteserfahrung.

Foto: medienREHvier.de / Anna Janzen
Aufgrund messianischer Erwartungen

Gilt der Blick und das Anliegen des Beters David zunächst ganz der Gemeinde und dem Haus Israel, weitet sich der Blick in den späteren Versen über die analog erlebte Gemeinde hinaus bis an die Enden der Erde und auf alle Geschlechter der Heiden. Der Bericht von der Rettung Davids wird die Völkerwelt zur Umkehr bewegen. David sieht, dass sein Leiden heilsgeschichtliche Bedeutung hat, deshalb bezieht er ganz Israel hier mit ein. Gott hat ihn als gesalbten König zum Armen gemacht und nach erfahrener Rettung ist er solidarisch geworden mit allen anderen Armen und Elenden. Gotteslob macht sozial, stiftet Gemeinschaft über Grenzen hinweg, auch in einem gemeinsamen Essen und Trinken (V. 27: „Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden.“) Dass die Völker umkehren, ist prophetisch zu verstehen. Im Lobpreis ereignet sich Prophetie. Immer dann, wenn mit dem Volk Gottes oder hier mit dem Gesalbten Gottes, mit David, Entscheidendes geschieht, hat das Auswirkung auf die Völkerwelt. Das ist ein messianischer Hinweis und eine Vorwegnahme des Evangeliums von der Rettung des gekreuzigten Jesus durch das Wunder der Auferstehung.

Aufgrund Überwindung von Grenzen

Diese Botschaft macht selbst vor dem Tod nicht Halt. Sie wird auch dort ankommen, wo die sind, die entschlafen sind, in der Totenwelt. Denn auch dort werden sich die Knie aller beugen, die zum Staub hinabfuhren und ihr Leben nicht retten konnten. Das Gotteslob ist hier nicht, wie sonst oft im Alten Testament, nur den Lebenden vorbehalten. Die Grenze wird hier überschritten, denn auch die Entschlafenen werden zum Gotteslob aufgerufen. Diese Kühnheit wird ein Grund dafür sein, dass
dieser David-Psalm die geschichtliche Situation über steigt und die urchristliche Gemeinde zu Recht in ihm messianische Weissagungen auf den Tod von Jesus und seine Auferstehung entdeckten. Auch wenn Jesus diesen Psalm am Kreuz nicht als ganzen betete, so wurde er doch als ganzer mitgedacht.

Traugott Meßner, Pfarrer
Holzgerlingen

Fragen zum Gespräch

  • Wo kommt in diesem Psalm 22 Ostern vor?
  • Kann ich Gott danken für seine Hilfe, wenn die Not noch da ist?
  • Wie bete ich, wenn ich in einer Krise bin?
  • Klage ich nur oder lobe ich auch?
Die Feiertagserklärer

Was steckt hinter Ostern? Danny von den Feiertagserklärere erklärt es.

Foto: © Die Apis
Die „Feiertagserklärer“ erzählen, was es mit Karfreitag und Ostern auf sich hat – eine tolle missionarische Möglichkeit.
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