Interview mit Lore Clesle und Dominic Schikor

Matthias Hanßmann (MH): Lore, du bist schon seit vielen Jahren in der Stuttgarter Gemeinschaft zu Hause. Wie kam es damals eigentlich dazu?

Lore Clesle (LC): Aufgrund meines Arbeitsplatzwechsels kam ich als Mitarbeiterin auf die Geschäftsstelle und somit auch in die Gemeinschaft der Apis in der Furtbachstraße. Damals gab es in der Furtbachstraße einen Jugendkreis mit ca. 50 jungen Menschen, die sich immer dienstagabends trafen. Da fand ich meine geistliche Heimat. In jungen Jahren besuchte ich die klassische Gemeinschaftsstunde am Sonntagnachmittag eher selten – was sich im Lauf der Jahre veränderte.

MH: Heute erlebst du die Stuttgarter Gemeinschaft als Gemeinschaftsgemeinde. Die Gemeindeleitung ist so ganz anders als die Leitung damals. Jede Zeit hat seine Form. Was gefällt dir besonders gut?

LC: Nach meiner Ansicht hat sich von der Struktur her nicht so vieles verändert. Es gab schon damals ein
Leitungsteam. Die Bezeichnung lautete nur anders. Allerdings gibt es heute einige Leitungskreise bzw. Teams mehr.

Foto: © Die Apis
Lore Clesle ist seit vielen Jahren bei den Apis in Stuttgart.

MH: Dominic, du bist seit 2019 bei den Apis angestellt und mit der Gemeindegründung im Jahr 2021 auch
als Gemeinschaftspastor für die Gemeindeleitung beauftragt. Wie erlebst du dein Gemeindeleitungsteam? Bringst du schon aus deiner Zeit vor den Apis ein Bild davon mit, wie für dich Gemeindeleitung konkret aussehen kann?

Dominic Schikor (DS): Ich kam in ein begeistertes Team, das Sehnsucht danach hatte, dass in Stuttgart weiterhin lebensverändernde Beziehung mit Jesus wächst. Ganz neu aber auch immer mehr. Alle waren bereit, sich diesen Aufbruch etwas kosten zu lassen. Positiv empfinde ich, dass wir unter schiedliche
Begabungen vereinen. Das war ein Aspekt, der mir über Gemeindeleitung wichtig war: Dass wir gemeinsam unterwegs sind.

MH: Was für ein Selbstverständnis hast du, wenn du an Leitung denkst? „Pastor“ bedeutet ja „Hirte“. Wie kommt ihr in der Gemeinde zu Entscheidungen?

DS: Wenn ich über Leitung nachdenke, lande ich bei Jesus. Dann muss ich an das Konzept „Servant Leadership“ denken, weil Jesus so unnachahmlich das Wohl der Menschen über seins stellt. Weil er bereit
war, alles zu geben, damit in anderen das wahre Leben geweckt wird. So möchte ich leiten. Wesentlich für unsere Entscheidungen ist ein Ohr nah bei den Menschen. Bei ihren Träumen, Bedürfnisse und Gaben. Genauso nah soll unser Ohr aber bei Gott sein. Wir wollen die Werke anpacken, die Gott für uns vorbereitet hat. Nur er soll uns in Projekte senden und nicht einfach eine Not, eine offene Tür oder unsere Ressourcen.

MH: Lore, eure Gemeinde lebt von ganz unterschiedlichen „Playern“. Da sind die Homezone, die WG-Leute, die älteren Geschwister der Bibelstunde, die Lobpreisteams, Studenten, junge Familien. Wie gelingt es euch, dass bei diesem bunten Blumenstrauß ein „Wir-Gefühl“ zustande kommt? Wo schlägt sich dies auch geistlich nieder?

LC: Das ist nach wie vor eine Herausforderung. Unter anderem geschieht es durch persönliche Information und unser regelmäßig erscheinendes Stuttgarter Gemeinschaftsblättle. Auch durch Gebetspatenschaften zwischen einem jungen Menschen und einem älteren Menschen entwickelten sich gute Kontakte. Die beiden treffen sich immer wieder zum persönlichen Austausch, lernen sich näher kennen und können konkret füreinander beten. Leider wird das zurzeit nicht so praktiziert. Oft erwarten die Älteren, dass die Jüngeren mit ihnen Kontakt aufnehmen. Wichtig ist auch, dass wir Älteren auf die
Jüngeren zugehen. Es sollte ein gegenseitiges Nehmen und Geben sein – wie in einer Familie, wo die Eltern und Großeltern in der Regel auch auf die Kinder und Enkel eingehen. So wünschen wir es uns in der Gemeinde auch. In der Bibel heißt es in Maleachi 3,24: „Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern …“ Da wird zuerst genannt, dass die Väter sich den Jungen zuwenden. Ebenso steht in Lukas 1,17 „… zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern …“.

MH: Welches gemeinschaftsbildende Element empfindest du bei euch als besonders wertvoll? Wo verdichten sich Beziehungen?

DS: Ein wesentlicher Faktor ist der Sonntag. Über Gemeindemittagessen und die Zeit nach dem Gottesdienst ist er ein Herzstück unserer Gemeinschaft. Daneben sollen alle unkompliziert einen Platz in unseren bewusst bunt gemischten Kleingruppen finden können.

Foto: © Die Apis
Dominic Schikor ist seit 2019 Pastor bei den Apis in Stuttgart.

MH: Lore, wie bekommen bei euch Menschen Kontakt – und fühlen sich dann auch angenommen und
integriert?

LC: Viele durch die Wohngemeinschaft in der Furtbachstraße. Dort wird Gemeinschaft und ein gutes Miteinander gelebt. Einige kommen auch über Freunde zu uns. Es gibt wöchentliche Hauskreise und
in der Regel gibt es auch nach dem Gottesdienst ein Mittagessen (nach Corona zurzeit nur 14-tägig), wo auch ein gutes gegenseitiges Kennenlernen möglich ist.

MH: Dominic, wie stark spielt für euch das Stichwort „Beteiligung“ eine Rolle? Wo kommt das vor?

DS: Wir sind Mitmachgemeinde und wollen Hürden klein- und unseren Auftrag großmachen, dass Leute von sich aus gerne mit anpacken und Menschen lieben.

MH: Welche Elemente würdest du gerne aus dem Bild einer Familie in das Bild der Gemeinde übertragen

DS: In Familien sucht man das Beste der jeweils anderen und das erlebe ich hier. Die Älteren schätzen, was die Jüngeren tun. Die Studierenden ermöglichen Familienarbeit. Und, und, und. Unser gemeinsames Anliegen verbindet Generationen.

MH: Lore, was schätzt du persönlich sehr an der Gemeinde/Gemeinschaft? Was möchtest du nicht vermissen müssen?

LC: Veranstaltungen, bei denen Begegnungen stattfinden, wie z. B. der Gottesdienst am Sonntag, der Bibel
gesprächskreis etc.

MH: Ihr seid nun beide auf dem Kongress „Segen sein“ gewesen. Welche Impulse habt ihr für euch mit nach Stuttgart gebracht? Was würdet ihr gerne mit anderen diskutieren oder gar ausprobieren?

LC: Für mich persönlich war der Kongress sehr bereichernd. Er war mit vielen Vorträgen und Seminaren
gefüllt. Uns als Gemeinde wünsche ich, dass wir den Blick für das Ziel, Menschen von der Liebe Gottes weiterzusagen, nicht aus den Augen verlieren, trotz unserer unter schiedlichen Persönlichkeiten.

DS: Ich habe gemerkt: als Gemeinde sind wir auf einem guten Weg. An vielen Stellen dürfen wir schon
jetzt Nöte und Jesus zusammenbringen. Da es aber so viele Nöte in der Innenstadt gibt, ist es mir noch wichtiger geworden, von Gott zu hören, was er für uns hat.

MH: Herzlichen Dank für Eure Zeit und Eure Bereitschaft zum Gespräch. Bleibt Gesegnete und seid ein Segen für Stuttgart!

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