Israels Erfahrung von Heil im Unheil durch Gottes Bewahrung

Texterklärung

Das Thema des 2. Buch Mose ist der Auszug aus Ägypten („Exodus“): die Befreiung Israels aus derSklaverei Ägyptens und der Weg ins verheißene Land. 2. Mose 1 knüpft durch die Namensnennung und der Zahl derer, die seinerzeit nach Ägypten kamen, an 1. Mose 46,8ff. an. Der Abschnitt 2. Mose 1,1-22 gliedert sich in drei Teile: 1–7, 8–14 und 15–22.
Vers 8 zeigt einen Paradigmenwechsel an: »Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef …«. Geschichtslosigkeit kann verheerende Auswirkungen haben. Der Name „Josef“ steht stellvertretend für die Segens- und Heilsgeschichte Gottes an seinem Volk Israel, von der auch Ägypten profitierte.
Die Treue der Hebammen zu Gott und ihrem Volk werden von Gott belohnt (Segen). Die Verse 15-21 zeigen praktisch, wie man Gott mehr gehorchen kann als Menschen (Apg 5,29).

Gottes Heilsgeschichte

Gottes Berufung und sein Bund mit Abram (1Mo 12 und 1Mo 15) gewinnen zaghaft Gestalt, dass „in ihm alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden sollen“ (1Mo 12,3):

  • Aus einzelnen Menschen (Abraham, Isaak, Jakob …) wurden Familien.
  • Aus den Familien wurden Sippen, die durch Irrungen und Wirrungen hindurch Gottes Führung und Bewahrung erlebten.
  • Aus den Sippen wurde das Volk Israel (V. 9).

Zur Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen gehört, dass Gott auch um das Unheil seiner Kinder in einer von Sünde, Schuld und Versagen gekennzeichneten Welt weiß. Bereits beim Bundesschluss mit Abram weist Gott darauf hin, dass Israel vierhundert Jahre Sklavendienst in Ägypten leisten wird. Gleichzeitig verheißt er, dass er sein Volk befreien und in das verheißene Land führen wird. Die ägyptischen Peiniger hingegen will er richten (vgl. 1Mo 15,14). Die Exodus-Erfahrung Israels ist eine Vorerfüllung dessen, was mit dem Kommen Jesu Christi umfassend geschieht: Die Befreiung der gesamten Menschheit aus der Sklaverei der Sünde (Röm 5,18ff.; 2Kor 5,19; u. a.).

Menschliche Unheilsgeschichte (V. 8-14)

Die Unheilsgeschichte des Menschen steht der Heils- und Segensgeschichte Gottes nicht gleichwertig gegenüber. Dass Pharao als einer der mächtigsten Männer der damaligen Zeit nichts von Josef wusste, ist mehr als tragisch. Seine Unwissenheit verleitet ihn zu (unkonkreter) Angst (V. 9-10) und (zielgerichteter) Furcht (V. 12), und damit zu tragischen Fehlentscheidungen. In seinen Ängsten und Entscheidungen wird er von „Was wäre, wenn …?“-Szenarien geleitet. Das zahlenmäßige Anwachsen der Israeliten könnte dazu führen, dass sich Israel über Ägypten erhebt; es könnte ein Krieg ausbrechen, in dem sich Israel auf die Seite der Feinde schlagen könnte. Letztlich könnten sie Ägypten verlassen (V. 10). Die hypothetischen Überlegungen waren ein unkonkretes und diffuses Schreckgespenst – aber sie entwickelten sich zu einer selbsterfüllenden Prophetie.

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Aufgrund seiner Ängste erlässt der Pharao Verordnungen, die das Volk Israel in seiner Freiheit einschränken. Sodann werden sie zur Zwangsarbeit bei Bauten und bei der Feldbestellung herangezogen (V. 11). Doch Gott segnet sein Volk, und es wächst auch weiterhin stark an. Das verleitet den Pharao dazu, die Nachkommenschaft der Israeliten nicht nur einzuschränken (V. 10), sondern die brutale Vernichtung der männlichen Nachkommenschaft anzuordnen (Parallele zum Kindermord des Herodes; Mt 2,16ff.). Im nun Folgenden und daraus Resultierenden wird Gottes Verheißung (und Drohung) deutlich: »Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen« (1Mo 12,3) und »Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an« (Sach 2,12).

Göttliche Bewahrungsgeschichte (V. 15–22)

Die Verse 1-14 gleichen einer Brücke: Das eine Ende gleicht einem Epilog zum 1. Buch Mose, das andere Ende gleicht einem Prolog zum 2. Buch Mose. Doch es geht um weitaus mehr als um ein literarisches Kunstwerk oder um allgemeine theologische Wahrheiten. Durch die Erfahrungen der beiden Hebammen wandelt sich der sachliche Überblick der Verse 1-14 zu einem ergreifenden und emotional packenden Einblick in die bedrohliche Situation des Volkes Gottes. Der Autor des 2. Buch Mose wird daher nicht müde zu erwähnen, dass ihre Treue zu Gott und dem eigenen Volk mit Segen belohnt wird (V. 20-21). Gottes Wort ermutigt uns, besonders in den Widerständen und Unwägbarkeiten des Lebens auf Gott zu schauen und seiner Führung zu vertrauen (vgl. Psalm 103).

Martin Schrott
Gemeinschaftspastor in Tuttlingen

EXODUS – Wage den Aufbruch

In unserer Mediathek www.bibelbeweger.de haben wir ein komplettes Paket für Kleingruppen zusammengestellt, in dem man gemeinsam die Texte aus dem 2. Buch Mose entdecken kann.

Foto: © Die Apis
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