Der wahre Gott und Herr der Geschichte

Texterklärung

Mose und Aaron treten im Auftrag Gottes und mit göttlicher Vollmacht vor den Pharao und fordern die Freilassung des Volkes Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft. Alle ihre Beglaubigungszeichen und Wunder beeindrucken den Pharao nicht. Er verschließt sich der Stimme Gottes und sein Herz wird von Gott selbst verhärtet. Der Pharao und sein Volk müssen das Gerichtshandeln Gottes als Konsequenzen erleiden. Es werden zehn Plagen nötig sein, bis der Pharao erkennt, dass der lebendige Gott Israels der Herr der Geschichte ist.

Auftrag und Gehorsam (V. 1-7)

Mit großer Geduld hat sich Gott die Einwände Moses gegen seinen Auftrag angehört und beantwortet. Weil sich Mose mit „schwerer Zunge“ (4,10) unfähig zum Reden weiß (6,12.30), hat ihm Gott seinen Bruder Aaron als Sprecher, als „Propheten“ an die Seite gestellt. Mose soll für den Pharao, der sich selbst für einen Gott hält, zum Gott werden. Was gemeint ist, macht die Übersetzung in der Basisbibel deutlich: „Du wirst an Gottes Stelle vor dem Pharao stehen.“ In Mose begegnet dem Pharao die Autorität des wahren Gottes. In diesem Sinn können Menschen für andere Menschen im Auftrag Gottes zum „Gott“ werden. Martin Luther spricht davon, dass Christen für ihre Nächsten zu einer Art Christus werden sollen. Mose und Aaron gehorchen dem Auftrag Gottes. Beide sind schon in hohem Alter. Gott nimmt auch ältere Menschen mit allen ihren Einschränkungen in seinen Dienst, für ihn gehört niemand zum alten Eisen. Die beiden sollen vom Pharao fordern, dass er Gottes Volk aus Ägypten ausziehen lässt. Gott bereitet Mose und Aaron darauf vor, dass sie mit ihrer Botschaft zunächst keinen Erfolg haben werden. Der Pharao wird nicht auf sie hören, Gott wird das Herz des Pharao hart machen. Er selbst wird durch sein Gerichtshandeln seine Hand auf die Ägypter legen.

Eine vertane Chance (V. 8-13)

Wer beim Pharao Gehör finden will, der muss ein Beglaubigungszeichen für seine Botschaft, einen Machterweis erbringen. Gott hatte dem Mose ein solches Beglaubigungszeichen gegeben, als sich sein Hirtenstab in eine Schlange verwandelte (4,2-5). Aaron soll nun mit seinem Stab ein entsprechendes Beglaubigungswunder vollbringen. Im hebräischen Text steht ein Wort, das neben Schlange auch Flussungeheuer bedeuten kann. Gemeint wäre dann ein im Wasser des Nils lebendes Reptil. Die herbeigerufenen ägyptischen Zauberer vollbringen allerdings dasselbe Wunder. Das Ungeheuer, das aus dem Stab Aarons entstanden ist, verschlingt aber den ganzen ägyptischen Zauber. Dadurch hätte der Pharao erkennen können, dass der lebendige Gott den Zaubermächten Ägyptens weit überlegen ist. Aber der Pharao verwirft diese letzte Chance zur Besinnung und Einsicht, er hört nicht auf Mose und Aaron. Sein Herz wird verstockt. Wer auf Gottes Reden nicht hört, muss die Folgen tragen. Der Apostel Paulus schreibt von den Heiden, dass sie Gott hätten erkennen können (Röm 1,19-20). Weil sie sich aber verschlossen haben, hat Gott sie „dahingegeben“ in ihren verkehrten Sinn (Röm 1,24.26.28).

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Der Anfang des Gerichts (V. 14-25)

Noch einmal werden Mose und Aaron zu einer Begegnung mit dem Pharao an den Nil geschickt. Der tägliche morgendliche Gang des Pharao an den Nil ist Teil seiner Religion, in der der Nil als Gott verehrt wird. Noch einmal fordert Mose die Freilassung der Israeliten und wieder verschließt sich der Pharao. Weil er nicht auf Gottes Stimme hört, kommt mit der ersten der zehn Plagen Gottes Strafgericht in Gang. Mose muss mit seinem Stab auf das Wasser des Nils schlagen. Für sieben Tage verwandelt sich sein Wasser in Blut, die Fische sterben, der Fluss stinkt zum Himmel und die Ägypter ekeln sich, davon zu trinken. Aaron bekommt den Auftrag, mit seinem Stab die übrigen Wasser in Ägypten zu verseuchen. Vermutlich hat er dazu mit seinem Stab in alle vier Himmelsrichtungen gedeutet. Wieder ahmen die ägyptischen Zauberer das Wunder nach und merken gar nicht, dass sie damit zu ihrem eigenen Verderben beitragen. Und wieder zeigt sich der Pharao unbeeindruckt. Es wird weitere neun Plagen brauchen, bis er die Macht des lebendigen Gottes erkennt.

Werner Schmückle
Kirchenrat i.R.

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