Einleitung

Aber nein – Ägypten wird nicht k. o. geschlagen in einem Kampf der höchsten Gewichtsklasse. Mose ringt nicht mit Pharao. Er teilt ihm einfach Gottes Absichten mit. Es findet überhaupt kein Ringen statt, in den Plagen äußert sich die Gewalt des allmächtigen Gottes. Es ist auch seine Reaktion auf das verstockte Herz eines Menschen, der sich selbst als Gott verehren ließ. Haben die Plagen 1-9 schon verheerende Schäden für Mensch und Vieh zur Folge gehabt, greift Plage 10 ins Erbgut Ägyptens ein. Erstgeburt bedeutet Zukunft, meint Verantwortung für die Familie. Und gerade hier entzieht der Herr Leben!

Auch für Mose ist das Vorgehen Gottes nicht ohne persönlichen Bezug. Hat er nicht seine ganze Kindheit und Jugend in Ägypten verbracht? Hat er nicht ganz enge Beziehungen zur Familie des Pharaos gehabt? Und nun diese Plage. Sie klärt den inneren Stand und leitet nicht allein die Befreiung aus übler Sklaverei ein, sondern bringt auch die Loslösung zweier Völker mit sich.

Foto: pixabay.com / harutmovsisyan
Beschenkte sagen Dank?

430 Jahre (vgl. 2Mo 12,40) hat Israel im Pharaonenreich verbracht und dadurch Ägypten gerade zur Zeit der Hungersnot versorgt. Aber auch andere Nationen konnten ihren Hunger stillen und aus Josefs Händen Getreide erwerben. Gottes Fügung hatte dem ägyptischen Herrscher ein Getreidemonopol beschert und sicher für ein beispielloses Wirtschaftswachstum gesorgt. Aber diese göttliche Hilfe hat sich kaum in Verehrung des Herrn niedergeschlagen. Selbstgemachte Götzen sind weiterhin verehrt worden. Ob auch die Kunden aus aller Welt Zeichen der Ehrerbietung gegenüber dem wahren Geber gezeigt haben?

Haben wir uns einmal überlegt, welche Geschenke wir selbst vom Herrn empfangen haben, wie wertvoll das menschliche Leben ist, unsere Seele und alle anderen Kostbarkeiten? Und wie teuer die Erlösung ist, die Gott für uns erwirkt hat, wie besonders seine Vorkehrungen für unser späteres Weiterleben in der Ewigkeit? Wie sehr sind wir alle beschenkt mit seiner größten Gabe, die der Herr mit uns teilt: sein Sohn Jesus Christus. Darum sagen wir: Danke, Herr! Auch in beschwerlichen Tagen heben wir den Blick und geben unserem Gott Ehre!

Was macht den Unterschied?

Im letzten Zusammentreffen mit dem Pharao offenbart Mose also nun den göttlichen Beschluss zur Tötung aller Erstgeburt bei Mensch und Vieh. Der Herr selbst wird über Ägypten kommen und zur mitternächtlichen Stunde Leben entziehen. „Der Herr tötet und macht lebendig“ – die völlige Souveränität Gottes wird an vielen Stellen in der Bibel herausgestellt (5Mo 32,39; 1Sam 2,6; Hiob 5,18; Hos 6,1-2). Hier zeigt es sich auf besondere Weise. Mit niemandem hat er sein Handeln abgestimmt. Pharao wird persönlich zur Verantwortung gezogen für sein Verhalten, aber nicht nur er allein. Wer könnte nicht bewegt und betroffen sein?

Dem Herrn gefällt es, gerade bei der Loslösung der beiden Völker einen klaren Unterschied zu machen. Israel soll völlig unberührt bleiben vom Gericht Gottes. Ja, sie haben in der Vergangenheit viel gelitten, sie haben zum Herrn geschrien (2Mo 3,7-9). Nun aber werden die Bedränger in ganz Ägypten „ein großes Geschrei“ anstimmen. Doch letztlich – und das ist eine Wahrheit, die auch heute noch gilt – entscheidet in jener Nacht nicht die Nationalität darüber, ob Gottes Gericht Schaden anrichten wird. Den Unterschied wird allein das Blut des Passalammes ausmachen, das für alle sichtbar an den Türpfosten aufgetragen werden soll. Und es geht um mehr, als nur ein Zeichen für Gehorsam und Vertrauen zu setzen. Aber das muss auch gegolten haben: Ägypter könnten das Zeichen der Bewahrung ebenfalls wahrnehmen und im Glauben handeln (vgl. 2Mo 9,20.21).

Was gilt es festzuhalten? Der Herr wird Gericht halten. Jesus Christus hat oft darüber gesprochen. Und ähnlich wie in Ägypten wird das Blut des Lammes den einzigen Unterschied ausmachen zwischen Tod und Leben. Gott hat alles Gericht und alle Bestrafung für unsere Sünden auf seinen erst- und einziggeborenen Sohn gelegt (Röm 5,8-10; 2Kor 5,21; 1Thess 5,9.10). Und wir Menschen dürfen dies mit einem dankbaren Herzen glauben und annehmen.

Das verstockte Herz – konnte er nicht anders?

Bei jeder Plage wird das Herz des Pharaos als das Entscheidungsorgan herausgestellt. Es will nicht wie Gott will. Als wenn er nicht anders könnte. Paulus schreibt: „Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“ (Röm 7,19). Jeder kennt diese Herzprobleme und möchte das Gute tun. Jesus Christus erlöst uns aus Verlorenheit und kümmert sich um unser Herz.

Fragen zum Gespräch

  • Als Christen müssen wir nicht wie Mose Plagen ankündigen. Wir haben eine befreiende Botschaft und doch fällt es uns nicht leicht, sie weiterzugeben. Wie machen wir es besser?
  • Mose galt bis zuletzt als sehr angesehener Mann in Ägypten. Wie ist das zu erklären?

Hermann Josef Dreeßen
Studienleiter

EXODUS – Wage den Aufbruch

Hier findest Du alle Unterlagen zum Text aus unserer Reihe „EXODUS – Wage den Aufbruch“

Foto: © Die Apis
Diesen Beitrag teilen